MELLIN - GEBURTSORT EINES GROSSEN BRANDENBURGERS
Zwei alte Linden am Wege. Unter den Kronen ein schattiges Plätzchen. Ein Kreuz aus Eisen, auf dem die Worte rosten: “Friede sei mit Euch!” Der Sockel aus Stein. Er trägt ein Schild: “Gottesacker von Mellin.”
Es ist eine Straße am Rande der Schorfheide. Sie liegt zwischen den verträumten Dörfchen Glambeck und Parlow. Der kleine einstige Gottesacker ist eine Insel inmitten der Felder und Wiesen. Große Steine ruhen im Schatten der Bäume. Gras wächst zwischen ihnen empor. Der Blick ist weit, es ist still und menschenleer. Das Kreuz und ein Gedenkstein weisen in die unendliche Ruhe. Ein Friedhof also - aber es sind keine Gräber da. Der Gottesacker von Mellin. Keine Karte zeigt das Dorf, das seinen Namen trägt.1718 erstmals urkundlich erwähnt. Es ist nur in alten Urmesstischblättern verzeichnet.
Versunken und vergessen...? Alte Sagen kommen einem in den Sinn von Dörfern, die untergingen. Ein Dorf und ein See - beide spurlos verschwunden. Die Bewohner eines ganzen Dorfes gingen 1861 nach Amerika, weil sie nicht genug zum Leben hatten.
Am 23. September 1798 erblickte hier, im ehemaligen Zaunsetzerhaus, Franz Neumann das Licht der Welt. Im Hause seiner innigstgeliebten Großeltern. Neumanns Großvater war Förster und bewohnte ein kleines Jägerhaus. Später erinnert er sich: “Das Jägerhaus lag mitten in schönem Buchenwalde, in der Nähe eines Sees. Ein kleiner Garten gehörte zu dem Häuschen, und durch die Gartenthüre gelangte man unmittelbar auf die Landstraße, diese überschreitend zu einem kleinen Kirchhof. Ich entsinne mich deutlich, dass ich eines Abends auf den Kirchhof ging und jubelnd nach Hause kam, beladen mit einem morschen Grabkreuz. Doch meine Großmutter theilte meine Freunde nicht... Ich mußte das Kreuz zurücktragen zu dem Grabe.” Den Großvater hat Neumann so in Erinnerung: “Mein Großvater war ein großer, schöner Mann, in der ganzen Gegend hochangesehen wegen seiner Klugheit... Seinen großen Handwerkskasten liebte ich sehr.”
Als Franz Neumann im Jahre 1881 noch einmal zu den Stätten seiner Kindheit zurück kehrte, fand er den Weg zu dem Jägerhäuschen, in dem seine Großeltern gelebt hatten. Doch “vom Jägerhäuschen und seiner Umgebung war nichts mehr zu finden. Der kleine See, an dem es gestanden, war zur Wiese geworden, der Kirchhof, von dem der kleine Franz einst das Grabkreuz geholt hatte, war verschwunden; nur zwei alte Linden zeigten die Stelle an, wo er einst gelegen war. Sie stehen noch jetzt auf einem schönen Platze, der einen weiten Blick gewährt über Wiesen und Wälder. Heute beschatten sie ein Kreuz... Der jetzige Besitzer hat es 1902 aus Pietät errichtet”, schreibt Tochter Luise Neumann im Jahre 1904 in ihren “Erinnerungsblättern”.
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