ERINNERUNG AN JOACHIMSTHAL

Nach dem Tod des Großvaters zog die Großmutter im Jahre 1805 mit ihrem Enkelsohn Franz zu ihrer Tochter nach Joachimsthal. Sie bewohnte mit ihr und dem kleinen Franz ein Zimmer beim Fischer Friedrich. Das Haus des Fischers stand in der heutigen Brunoldstraße hinter dem Brunold-Denkmal. 
Neumann erinnert sich: „Das Häuschen liegt auf einer Anhöhe, ganz in der Nähe der kleinen, in Kreuzesform erbauten, von prächtigen alten Baumgruppen umgebenen Kirche, deren Südfacade zwei schlanke Thürme zieren. Von der Anhöhe glitten im Winter die kleinen Schlitten herrlich hinunter bis zum Brunnen, an dem das große Faß stand. Auf seinem Deckel wurde mit einem Stocke getrommelt, zum Zeichen, daß die Jungens sich versammeln sollten...“ Mit der Tonne verknüpfte Franz Neumann Erinnerungen an seinen ersten kindlichen Schmerz: „Nur ein einziges Mal habe ich ein Spielzeug gehabt; es war ein Schornsteinfeger; natürlich wollte ich ihn den Jungens zeigen, er war so schön; nur einen Augenblick wollte ich ihn auf den Rand der Tonne stellen, da war er fort, war hineingefallen. Ich habe nie wieder ein Spielzeug gehabt.“

In Luise Neumanns Franz-Neumann-Buch sind die nachfolgenden liebevollen Erinnerungen an Joachimsthal niedergeschrieben: „Joachimsthal ist ein kleines, anmuthiges Städtchen. Stattliche Lindenreihen, welche den Fahrdamm von den Bürgersteinen trennen, geben seinen breiten Straßen ein freundliches Aussehen.

Meilenweit im Umkreis erstrecken sich Forste; in ihrer Mitte liegen der große herrliche See - an dem in alten Zeiten die Gemeinde Grimnitz sich angebaut hat - und der schöne Werbellinsee, in dessen Nähe das Jagdschloß unseres Kaisers, der Hubertusstock, malerisch gelegen ist... 
Kurfürst Joachim Friedrich (1598-1608) liebte die Gegend zwischen den beiden Seen so sehr, daß er 1604 das nach ihm benannte Städtchen Joachimsthal gründete und hier 1607 eine Fürstenschule ins Leben rief. 130 Schüler wurden bei freier Unterkunft für die Universität vorgebildet. Die Stiftungsurkunde ordnet an, daß das Gymnasium in Joachimsthal bleiben solle, „so lange die Welt steht“... Das Städtchen ... besitzt eine vorzügliche Präparandenanstalt und eine sehr gut geleitete Volksschule...“ Letztere besuchte Franz Neumann, bevor ihn sein Weg ins Werdersche Gymnasium nach Berlin führte. Er berichtet: „ Sie war dreiklassig. Ich kam in die zweite Klasse. Hier unterrichtete ich zum erstenmal, nämlich meine Mitschüler. Ihnen war das Dividiren eine unverstandene Sache und sie staunten mich an, daß ich es immer fertig brachte. Da gab ich ihnen die einfache Regel: 'Probieren! Habe ich meinen Divisor mit einer zu kleinen Zahl multiplicirt, so bleibt eine zu große Zahl übrig, habe ich ihn mit einer zu großen multiplicirt, so läßt er sich nicht abziehen.’ Alle Jungens standen staunend um mich herum, und als ich aufsah, stand der Lehrer unter ihnen und sagte: ‘Fahr nur fort!’”

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