HIER - WO SEINE WURZELN LAGEN
Wenn ich in Mellin, in Glambeck oder in unserer Stadt an der alten Volksschule vorüberfahre, dann denke ich auch an einen Mann, der ein großer Wissenschaftler wurde, ein großer war und nach wie vor ist. Groß in der Welt, aber leider fast unbekannt, wo seine Wurzeln lagen. Ich meine den Begründer der Theoretischen/Mathematischen Physik.

Wurzeln liegen bekanntlich in der Kindheit und Jugend. Sie formen und zeichnen nicht selten Wege vor. Der Weg Franz Neumanns war beachtlich. Geboren wurde er 1798 in Mellin und getauft in der zauberhaften kleinen Glambecker Dorfkirche. Mit seiner Großmutter lebte er einige Jahre in Joachimsthal. Dort besuchte er drei Jahre die Volksschule und zeigte schon als Kind, bevor er mit zehn Jahren 1808 aufs Werdersche Gymnasium nach Berlin kam, dass sein Lebensweg kein für seine Zeit alltäglicher sein wird. Er hatte Fähigkeiten, die erkannt und gefördert wurden. Wir wollen froh sein, dass trotz aller Schwierigkeiten, es seine Zeit mit ihm gut meinte. Und so wurde aus ihm das, was er war: der Forscher, der Wissenschaftler, der Mensch Franz Neumann.

Er wurde geachtet, geschätzt und, das muss ich leider sagen, gerade hier, in seinem Geburtsland, vergessen. Er verließ die Schorfheide als Kind und kam erst im 83. Lebensjahr zurück, um noch einmal auf den Spuren seiner Heimat zu wandeln. Sein Werk, sein Ruhm drangen von der Stätte seines Wirkens nur schwer in unsere Provinz.

Hier ist nicht das Ende der Welt. Nach wie vor gehen in Joachimsthal Kinder zur Schule, und nach wie vor müssen Talente erkannt und gefördert werden. Und das im Sinne von Franz Neumann. Diese notwendige Förderung von jungen Menschen ließ auch den Gedanken reifen, die Franz-Neumann-Stiftung zu aktivieren und ein Franz Neumann Seminar zu gründen. Wenn es gelingt, die Wissenschaft im Land Brandenburg zu beleben und die Ergebnisse des Seminars abwechselnd in Joachimsthal und Glambeck vorzustellen, so wäre dem sehnsuchtsvollen Wunsch seiner Tochter Luise Genüge getan: „... mein Vater möchte von vielen gekannt, erkannt werden.“

Dirk Protzmann, Amtsdirektor, Amt Joachimsthal (Schorfheide)
"Joachimsthaler Kirche", Aquarell von Holger Barthel 
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