Seinem Stand entsprechend erhielt er eine sorgfältige Ausbildung, zunächst im Gymnasium Zum grauen Kloster zu Berlin, wo er sich seine Bildung häufig unter gewissen Mühen erwerben musste. 1816 schreibt man ihm ins Zeugnis, er käme leider öfter zu spät, und unter der Rubrik Fleiß heißt es, es bedürfe noch verstärkter Anstrengungen (20, Anm. 68). Offenbar litt der Vierzehnjährige sehr unter dem Tod seines Vaters, der im gleichen Jahr erfolgt war, und fühlte sich früh verantwortlich für seine Familie.
Man hieß ihn Französisch, Englisch und Italienisch lernen und schickte ihn zum Musik- und Kompositionsunterricht beim gestrengen Carl Friedrich Zelter, der seit 1800 Leiter der Berliner Singakademie war. Es folgten Studien bei dem Komponisten und Organisten Eduard Grell, später ebenfalls Leiter der Singakademie und Gesanglehrer des Berliner Domchors (19, Anm. 64). Redern war ein guter Klavier- spieler und verfügte auch über einige Fertigkeiten im Komponieren. In den ersten Jahrzehnten verfasste er Gebrauchs- und Gelegenheitsmusiken wie z. B. Tänze,
Märsche oder Fackeltänze, die bei Hochzeiten zum preußischen Hofzeremoniell gehörten (314, Anm. 1157 u. 245, Anm. 882). Zum Bedürfnis wurde ihm das Komponieren erst nach dem Tod seines einzigen Kindes, seiner 10jährigen Tochter Louise im Jahr 1856. In den Memoiren spricht er von dem "lähmende(n) Bewusst- sein dieses unersetzlichen Ver- lustes …" (312) und davon, dass die Arbeit an einer dreiaktigen Oper "Christine, Königin von Schweden", ihm half, seine Schmerzen zu ertragen. Das Werk wurde 1860 im Königlichen Opernhaus zu Berlin uraufgeführt und bis 1862 insgesamt noch 6 x wiederholt. Die Ouvertüre erklang übrigens bereits am 24.09.1859 in Görlsdorf in einer Bearbeitung, vorgetragen vom ersten branden-
burgischen Infanterie- Regiment während eines Manövers (333).

Königin Christine von Schweden (zeitgen. Gemälde)   9)