PRESSEINFO (aus dem Jahre 2000)

Den Komponisten Friedrich Wilhelm von Redern (1802-1883) würdigen
Landrat Ihrke eröffnet am Sonnabend Glambecker Kulturherbst

Glambeck (hte) Der Glambecker Kulturherbst hat viele Höhepunkte: das Eröffnungskonzert am Sonnabend (15.00 Uhr), die Redern-Matinee am Sonntag (11.00 Uhr), die Freizeitkünstler-Ausstellung der Malschule Tekla (23.9., 16.00 Uhr), einen Märchennachmittag (23.9., 15.00 Uhr) und das große Abschlusskonzert am 1. Oktober (10.00 Uhr). Der Denkmalverein hat die Kulturtage dem Komponisten Friedrich Wilhelm von Redern und seiner Zeit gewidmet. Graf von Redern - eine historische Gestalt, fast vergessen, nun auch musikalisch ans Licht unserer Tage geholt.

Wenn zu Beginn des sonntäglichen Konzerts im Denkmal der Fackeltanz zur höchsten Vermählungsfeier Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Carl von Preußen Es-dur in der Dorfkirche zu Glambeck erklingt, wird sich so mancher Besucher fragen: Wessen Noten spielt der junge Göbel wohl? Moderator Heiko Schwichtenberg, SFB, Radio Kultur, wird die Zuhörer - im Bunde mit Andreas Göbel am Flügel - auf unterhaltsame Weise mit dem Komponisten Graf Friedrich Wilhelm von Redern (1802-1883) und seiner Zeit bekannt- und vertraut machen.
Historische Gestalten schwanken in der Vorstellung der Nachwelt. Das Urteil über sie steht nie still. Um Redern, einem Komponisten des 19. Jahrhunderts ist es still geworden nach seinem Tode. Nun soll er herausgehoben werden aus dem Tal des Vergessens. Ein Anfang, zwei Jahre vor seinem 200. Geburtstag, den die Verantwortlichen der Glambecker Kulturtage gehen. Die Vorsitzende des Arbeits- kreises Kultur, Heidlinde Benzinger, erzählt von glücklichen "Zufällen": "Auf der Suche nach historischen Quellen erfuhren wir, dass Graf Wilhelm von Redern 1862 Schloss Glambeck erwarb und das Kirchenpatronat auch für die kleine Fachwerkkirche übernahm. Alte Lexika beförderten dann mehr über ihn zu Tage. Auf der Suche nach Förderern bei der Rettung der Dorfkirche begegneten der Vereinsvorsitzenden drei Menschen, die Material, zahlreiche Details über Redern zusammentrugen: Landschaftsarchitektin Christine Hinz aus Prenzlau und die Musikwissenschaftler Heiko Schwichtenberg, Berlin, und Prof. Dr. Sabine Giesbrecht, Osnabrück. 
  Die Geschichte des Geschlechts von Redern ist aufgeschrieben und 1936 erschienen. Mit großem Fleiß sammelte der 1886 verstorbene Hermann v. Redern ein Leben lang Familiennachrichten. Er hinterließ sie handschriftlich. Ihm und seinem ältesten Sohn verdanken wir Auskünfte auch über Friedrich Wilhelm v. Redern, "dem im vorigen Jahrhundert altbekannten Grafen Wilhelm in Berlin, unter den Linden 1", wie es im Vorwort heißt.
Friedrich Wilhelm, geboren am 9. Dezember 1802, brachte es schon in frühen Jahren zu angesehener Stellung am königlichen Hof. Bemerkenswert ist seine ausgesprochen musikalische Begabung. Sie empfahl ihn. Im November 1819 besuchte er Goethe. Dessen Urteil über den jungen Grafen: "Er hat das Vorgefühl guter Gedanken zur Behandlung des Ganzen, die ich billigen musste. Mit Meyerbeer und Mendelssohn war er von Jugend auf befreundet. Eine Ouverture von 1820 legte ein frühes Zeugnis eigener Schaffenskraft ab."
Mit 23 Jahren war Graf Wilhelm Kammerherr im Hofstaat der Kronprinzessin Elisabeth. 1830 wird er Generalintendant der Königlichen Schauspiele Berlin. Nach einer Ablehnung erklärte er sich erst auf Drängen des Königs dazu bereit, die Berufung anzunehmen und das Königliche Theater zu leiten. 1842 gibt er das Intendantenamt auf. "Dafür betraute ihn der König mit der Generalintendantur der Königlichen Hofmusik, welcher der Domchor und alle Militärmusik-Korps unterstanden", steht es schwarz auf weiß in der Familiengeschichte.
Im Januar 1860 wird seine Oper "Christine" in Berlin aufgeführt. Die Berlinischen Nachrichten schreiben am 19. Des Monats: "Der hochgestellte Componist hat sich als Dilettant an seine Aufgabe gemacht, die, Alles in Allem genommen, unter den verschiedenen musikalischen Aufgaben die schwierigste ist, und dieselbe, wenn auch nicht in musikalisch hervortretender, so doch in ehrenvoller Weise gelöst." Lang ist die Liste der Kompositionen des Grafen Friedrich Wilhelm von Redern. Da sind neben dem genannten Fackeltanz und der Oper ein Elfenreigen, eine Conzert-Ouverture, Tänze und - selbstverständlich - Märsche aufgeführt.
Ob Graf Friedrich Wilhelm v. Rederns Weg jemals von Berlin oder vom nachbarlichen Görlsdorf in das kleine Walddorf führte, ist nicht verbürgt. In allen Farben beschrieben sind glänzende Tage, die er auf dem 11 km entfernten Schloß Görlsdorf verbrachte und Spazierfahrten, die unternommen wurden von Görlsdorf aus durch die "herrlichen uckermärkischen Waldungen mit ihrem prächtigen Bestande an Eichen, Buchen, Rüstern und Nadelholz".
 
    Was in diesen Tagen im Glambecker Kirchlein erlebbar wird, was hier
  geschrieben steht, verdankt der Denkmalsverein ihrem
  wissenschaftlichen Einsatz, ihrer Unterstützung."
  Graf Friedrich Wilhelm von Redern, eine historische Gestalt, die unsere Kulturlandschaft mit prägte. Fast vergessen - holt der Glambecker Denkmalverein ihn ans Licht unserer Tage.