Künstlerische Tätigkeitsfelder

Rederns ausgezeichnete Bildung diente als Sprungbrett für eine berufliche Karriere im Musik- und Kulturleben der Region. Friedrich Wilhelm III. hatte ihn 1828 als Nachfolger von Karl Friedrich Brühl und damit als Generalintendanten der königlichen Bühnen zu Berlin vorgesehen. Was für eine umfängliche und schwierige Arbeit er damit übernommen hatte, stellte er erst später fest. Sie umfasste Entscheidungen für Engagements, Repertoire-Auswahl, die Anwerbung neuer Autoren, die Organisation aller Theater- und Konzertaufführungen, einschließlich des französischen Theaters am Gendarmenmarkt, die Intendanz der Königlichen Oper Unter den Linden und oft auch noch die Betreuung von Veranstaltungen im Charlottenburger Schloss. Immer wieder sah er sich vor die schier unlösbare Aufgabe gestellt, ein anspruchsvolles und repräsentatives Repertoire in Einklang zu bringen mit dem Unerhaltungsbedürfnis des Publikums und Teilen des Hofes.
Rederns Verdienste als Intendant sind beträchtlich. Er konnte spektakuläre Ur- und Erstaufführungen nach Berlin holen. "Die Hugenotten" (227) und "Ein Feldlager in Schlesien" von Meyerbeer (260) oder Mendelssohns "Antigone" sind nur einige der Glanzpunkte seiner Ära. Mit den Meyerbeers und dem Mendelssohn-Clan wusste er sich freundschaftlich verbunden. In den gastlichen Salons dieser angesehenen Berliner Familien ging er ein und aus und traf sich dort mit der Prominenz aus Literatur, Musik, bildender Kunst und Politik. Franz Liszt oder Carl Loewe waren auch privat bei ihm zu Gast, und in der letzten Phase seiner Intendantur hörte er nicht ohne Wohlwollen den jungen Richard Wagner an, der bei ihm vorgesprochen und um Aufführungsmöglichkeiten seiner Opern nachgesucht hatte. Rederns Generalmusikdirektor Gasparo Spontini hingegen, unter dessen Extravaganzen bereits der Vorgänger, Graf Brühl, zu leiden hatte, war so etwas wie ein Erzfeind, dessen opulente Opern-Inszenierungen Redern eher gequält zur Kenntnis nahm.

Seine einflussreiche Stellung ermöglichte es ihm, auch Künstler anderer Sparten zu fördern. So war z. B. die von ihm verehrte Sängerin Henriette Sontag, alias Gräfin Rossi, immer wieder ein gern gesehener Gast auf Berlins Bühnen, auch als sie älter und nicht mehr ganz bei Stimme war. Ernst Raupach verdankt seinen Ruf als Autor in erster Linie dem Grafen von Redern, der 10 der Hohenstaufen-Dramen in chronologischer Folge in Berlin uraufführen ließ (109). Der von Friedrich Wilhelm
 
Nachdem er 1842 Intendant der Königlichen Hofmusik geworden war, konzentrierten sich seine Aufgaben auf den engeren Kreis höfischer Repräsentation. Bei dem Arrangement des berühmten Hoffestes zu Ferrara z. B., das 1843 im Weißen Saal des Berliner Schlosses gefeiert wurde, lag die künstlerische Leitung in Rederns Hand, Meyerbeer dirigierte, der Theaterschriftsteller Ernst Raupach inszenierte und der Maler Peter Cornelius betreute die Entwürfe der lebenden Bilder (239, Anm. 855).
Außerdem war Redern mit der Neuorganisation der Kirchenmusik befasst, für die der König größtes Interesse hegte. Dadurch kam es 1843 - auch mit Mendelssohns Unterstützung - zur Gründung des Berliner Staats- und Domchors, deren "Chef" Redern war (240, Anm. 857).
Es waren aber nicht nur die großen Namen, für die sich der Graf zeitlebens eingesetzt hat. In seinen Lebenserinnerungen sieht er es gerade als Vorzug seiner Position an, … dass er Protektor so manchen bis dahin unbekannten oder nicht zur Geltung gelangten musikalischen Talentes war" (243). So hat Redern den breiten Strom unterschiedlicher Talente auch über die Grenzen der Stadt Berlin hinaus in konstruktive Bahnen gelenkt.

Charakter
Als Kammerherr und späterer Obersttruchsess, der die höfische Etikette vollendet beherrschte und über Kenntnisse in mehreren Sprachen verfügte, wusste Redern sich in allen Situationen selbstbewusst zu behaupten. So führte er Sondierungsgespräche mit dem französischen Bürgerkönig Louis Philippe und nahm als Gesandter am russischen und englischen Hofe eine Vertrauensstellung ein. Dennoch war er, wie alle ausgeprägten Persönlichkeiten, durchaus streitbar, z. B. wenn es um den politischen Einfluss des märkischen Adels oder die Bedeutung der Monarchie ging. Auch in musikalischer Hinsicht ergriff er Partei, wie sein Eintreten für Carl Maria von Weber bezeugt, den Friedrich Wilhelm III. nicht besonders schätzte (120).
Er wies auch Spontini zurecht, der sich über die "Kindermädchen-Melodien" des Freischütz (107) lustig machte. Gegenüber diesem seinem Generalmusikdirektor erwies er sich als geradezu unversöhnlich und versuchte, dessen Einflussbereich in jeder nur möglichen Hinsicht zu begrenzen. Die Egozentrik (217, Anm 799) dieses italienisch-französischen Komponisten und Napoleon-Verehrers, der sich niemals bemühte, die deutsche Sprache zu erlernen, waren ihm zuwider und der Stil der großen französischen Opern ganz und gar nicht nach seinem
 
   dem IV. sehr geschätzte romantische Dichter Ludwig Tieck wurde von
 Redern engagiert, obwohl er lieber den kreativen Düsseldorfer Theater-
 intendanten und Schriftsteller Carl Immermann nach Berlin geholt hätte.
  Geschmack.