Im Beisein von König F Wilhelm IV. versammelte sich dort eine Gesellschaft von "aristokratischen Künstlern und künstlerischen Aristokraten" (273 f). Prominente Gäste bestritten den musikalischen Teil des Festes. Meyerbeer z. B. war mit dem Eisenbahnzug nach Angermünde gekommen, wo ihn Graf Redern mit dem Wagen abholen ließ. Meyerbeer schildert den Ablauf folgendermaßen (274, Anm. 1027): "Um 11 lange Spazierfahrt nach einem hübschen See, wo ein Pavillon aufgeschlagen war u. ein dejeuner eingenommen wurde, während dass die vier Sänger von gestern hübsche Männerquartette sangen.
Giacomo Meyerbeer    13)
Mittags großes Diner, wozu einige Autoritäten der Umgebung geladen waren. 
Die Musik des Garde-Regiments Kaiser Franz … machte sehr gut ausgeführte Tafelmusik. Von mir ward dabei die Ouvertüre, das Husarenlied und das Kriegslied aus dem Feldlager aufgeführt. Abends Konzert, welches ich akkompagnierte. Chor von Jomelli, vom Domchor ausgeführt, die Arie aus Rinaldo von Händel, gesungen von der Gräfin Rossi und die ersten zwei Akte der Iphigenia in Tauris von Gluck … dann fuhren wir alle mit einem Extrazug des Königs auf der Eisenbahn nach Berlin."

König F. Wilhelm IV. war so begeistert, dass er sich mit einem Standbild von Christian Daniel Rauch bei Redern bedankte. Dieser hatte ihm zuvor 5 Ansichten des Görlsdorfer Parkes aus der Hand des Landschaftsmalers Karl Graeb übergeben (276).

Noch einmal wurde 1847 so ausgelassen in Görlsdorf gefeiert, danach verhinderte die Revolution von 1848 weitere Festfolgen. Rederns Ruf als großzügiger Gastge- ber und anerkannter "Musikgraf", wie ihn der König nannte, blieb in Erinnerung.

Rederns Beitrag zur Zeitgeschichte

Mit seinen Memoiren hinterlässt Friedrich Wilhelm von Redern eine wichtige Quelle für zukünftige kultur- und musikwissenschaftliche Forschungen. Sie schließen nicht nur eine Lücke in der Berliner Musik- und Theatergeschichte, sondern geben auch Einblicke in die politischen und sozialen Verhältnisse der Zeit. Redern ist ein aufmerksamer Beobachter der preußischen Monarchie. Ihm verdanken wir unter anderem Informationen zu Charakter und Lebensgewohn- 
 
Er erwähnt auch sehr private Gewohnheiten Friedrich Wilhelms III., so z. B. dessen Vorliebe für attraktive Tänzerinnen (70, 58 ff., 245 f), oder er berichtet von Zweifeln an der standesgemäßen Erbfolge der russischen Zarenfamilie
(72 f.). Bemerkenswert ist vor allem die Kritik an der angeblich schwachen Persönlichkeitsstruktur Friedrich Wilhelms IV. Redern bezeichnet den König
als "politischen Hamlet" (284), der es angesichts der Revolution von 1848 nicht verstanden habe, "die Würde der Krone hochzuhalten" (289).
Als Leser von heute ist man erstaunt, dass dieser Mann, der sich sein ganzes Leben bei Hofe aufgehalten hat, die Brisanz solcher Passagen in seinen Memoiren offenbar unterschätzt hat. Jedenfalls suchte Wilhelm, König von Preußen und seit 1871 deutscher Kaiser, den Druck der von Georg Horn aufgezeich- neten Lebenserinnerungen zu verhindern.

Der Bruder Heinrich von Redern sah sich veranlasst, das Manuskript nach dem Tode des Grafen 1883 für 5.000 Mark vom Verlag Cotta zurück zu kaufen.
König Wilhelm 1861 im Krönungsornat. Die Mittelgruppe
ist aus dem Krönungsbild Adolph von Menzels (vorn 
rechts Friedrich Wilhelm von Redern).   14)
Die vorliegende Edition basiert auf einem älteren Manuskript aus dem Besitz von Georg Horn, das in der Staatsbibliothek zu Berlin "überlebt" hat. Sie ist die Basis dafür, dass wir heute den Grafen Friedrich Wilhelm von Redern als Person, als Autor, Komponisten, als wichtigen Zeitzeugen und
 
   heiten der Könige FW III. und IV., die er aus größter Nähe wahrnehmen
 konnte.
  engagierten Vertreter der Region Uckermark und - heute - als Namensgeber für eine aufstrebende Musikschule feiern können.