Nachdem ich mein Leben lang durch die Welt gewandert bin und eine glückliche Familie gegründet habe, mich jedoch stets weigerte, irgendwo länger als ein paar Jahre sesshaft zu werden, bin ich endlich zu Hause. Ich will nie wieder weg.

Als jüngstes von sechs Geschwistern hatte ich eine beschützte, wenn auch keine unbeschwerte Kindheit. Meine Mutter gebar erst vier Mädchen und musste jedes Mal die enttäuschten Seufzer ihrer Mutter ertragen. Während der vierten Niederkunft, als sich mein Vater und seine Schwiegermutter bereits still und stumm anstarrten, rief die Hebamme: "Da kommt noch ein Kind, es sind Zwillinge!" Mein Bruder.

Meine Mutter wollte aber noch einen Jungen, einen persön- lichen Erben, einen, aus dem sie einen hundertprozentigen Redern machen wollte. Sie fand, dies sei sie ihrer Familie schuldig, als Entschädigung dafür, dass sie selbst kein männ- licher Erbe gewesen war. Vier Jahre später bekam sie mich. Gerade wollte sie die notwendigen Schritte unternehmen, um meinen Namen von Lynar-Redern in Redern umzuändern, da veränderte der Krieg unser aller Schicksal, nicht nur den Namen.

In Vorbereitung auf meine Rolle als Treuhänder des Landes, nicht als sein Besitzer wurde ich von meiner Mutter mit Liebe, aber auch mit Strenge aufgezogen. Ihrer Vorstellung nach sollte unser Besitz weitergegeben, jedoch nie verkauft werden. Es galt stets, den Besitz zu mehren, nicht ihn zu verkleinern. In einem Passus ihres Testaments hatte sie festgelegt, dass ich von den 55 000 Morgen Land, die sie mir vererben wollte, nie- mals mehr als 700 veräußern dürfte, egal aus welchem Grund.