Sabine Giesbrecht

Friedrich Wilhelm von Redern zum 200. Geburtstag

Die Königlich privilegierte Berlinische
Zeitung von Staats- und gelehrten
Sachen/Vossische Zeitung, veröffentlichte
am Dienstag, den 6.November 1883,
in der Abend-Ausgabe No. 520 folgende
Notiz:

"Der Oberst-Kämmerer Wilhelm Friedrich Graf v. Redern, Kanzler des Schwarzen Adlerordens, General-Intendant der königlichen Hofmusik, General der Cavallerie und erbliches Mitglied des Herrenhauses, ist gestern Abend 10 ¼ Uhr nach längerem Leiden sanft entschlafen.
  Dem Kaiser wird der Verlust des langjährigen treuen Dieners recht nahe gehen. Wissenschaften und Künsten ist Graf Redern allezeit hold gewesen, seine Gemäldegalerie war weit und breit berühmt."

Etwas später, in der Morgen-Ausgabe No. 523, der o. a. Zeitung vom 8. November d. J. konnte man den offiziellen Nachruf Se. M. des Kaisers nachlesen, der zuvor im amtlichen Teil des "R.- u. St.-Anz." erschienen war. Und schließlich fühlte sich die Vossische Zeitung in der Beilage ihrer Nummer zum 8. November 1883 bemüßigt, den Lesern unter der Rubrik "Lokales" noch Einzelheiten über die Begräbnisformalitäten mitzuteilen:

"Die Leichenfeier für den Oberst-Kämmerer Grafen von Redern fand gestern Abend 8 Uhr in dem schwarz drapirten, von vier Candelabern erleuchteten Concertsaal des Trauerhauses, Unter den Linden 1, statt, in dem der metallene Sarg, auf welchem Helm, Degen und die Epauletten des Verstorbenen lagen, bedeckt von unzähligen Kränzen aufgebahrt stand. Vor demselben waren fünf Tabourets aufgestellt, die die Orden des Heimgegangenen trugen. Gegen 8 Uhr versammelten sich in den vorderen Gemächern des Palais die Theilnehmer an der Trauerfeierlichkeit. Es erschienen die königlichen Hofstaaten, die zur Zeit in Berlin anwesenden fremden Botschafter und Gesandten, sowie deren Attachés, die Minister v. Puttkamer, Maybach, v. Goßler, Friedberg, Lucius, v. Bötticher, Graf Hatzfeldt, Bronsart v. Schellendorf und v. Scholz, die Generalität von Berlin und zahlreiche Stabsoffizieren. Zur Vertretung der königlichen Hoftheater war Herr v. Hülsen gekommen. Die Akademie der Künste hatte die Herren Professor Karl Becker und Geh. Rath Zöllner deputirt. Um 8 ¼ fuhr der Kaiser vor dem Palais vor, erwartet von den Prinzen Friedrich Karl, Friedrich Leopold, Friedrich von Hessen, von Anhalt, dem Erbgroßherzog von Baden, Erbprinz von Meiningen und Prinz August von Württemberg. Als der Kaiser mit seinem Gefolge den Saal betrat, stimmte der Domchor einen Choral an. Nachdem dann Generalsuper- intendent Büchsel die Liturgie gelesen und die üblichen kirchlichen Gebete gesprochen, hielt Ober-Hofprediger Kögel die Gedächtnißrede, die er an den 90. Ps. anknüpfte. Der Gesang des Domchors:  ´Wenn ich einmal soll scheiden´ 
 
Mit ihm ist der erste und höchstgestellte Beamte des kaiserlichen Hofstaates aus dem Leben geschieden. Graf v. Redern, der schon vor mehreren Wochen lebensgefährlich erkrankte, sich aber wieder soweit erholte, daß er das Haus verlassen konnte, erkrankte kürzlich von Neuem an einem sehr heftigen asthmatischen Leiden, von dem ihn nun der Tod erlöst hat. In der Scheidestunde waren, wie wir der ´Nordd. Allg. Z. entnehmen, sein einziger Bruder, der Obergewand-Kämmerer Graf Heinrich mit seiner Gemahlin und seinem Sohne, dem Legationssekretair Grafen Wilhelm sowie der Hausarzt, General-Arzt Dr. Leuthhold am Sterbebett zugegen. Unmittelbar nach dem eingetretenen Tode wurde die Trauerbotschaft im königlichen Palais gemeldet. Der Verstorbene, geboren am 9. Dezember 1802, war seit dem 16. Dezember 1834 mit einer Tochter des Senators Jenisch zu Hamburg vermählt, die ihm am 27. Juli 1875 auf Schloß Lanke durch den Tod entrissen wurde. Kinder hat er nicht hinterlassen.
   Mit dem Grafen ist einer der reichsten Großgrundbesitzer der
 preußischen  Monarchie aus dem Leben geschieden, man bezifferte
 seinen Besitz auf  mindestens 100 000 Morgen.
  schloß die Feier gegen 9 Uhr. Heute Morgen 8 Uhr ist die Leiche nach Schloß Görlsdorf übergeführt, wo dieselbe, wie schon mitgetheilt, morgen Mittag beigesetzt wird."