Diese Artikel dokumentieren, welche überragende gesellschaftliche
und politische Bedeutung Friedrich Wilhelm von Redern im Berlin des
19. Jahrhunderts gehabt hat.

Umso überraschender, dass er, der auch von 1828 bis 1842 General-Indendant der königlichen Bühnen - heute Schauspielhaus am Gendarmenmarkt und Staatsoper Unter den Linden - in Berlin gewesen ist, bei der Nachwelt nicht die Anerkennung gefunden hat, die ihm und seinem Schaffen gebührt. Dazu beigetragen hat allerdings auch der Zweite Weltkrieg, dem offenbar der gesamte Nachlass des Grafen zum Opfer gefallen ist.

Was können wir heute noch an Neuigkeiten über Graf Redern in Erfahrung bringen?
Im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin zeugt das einschlägige Findbuch des Brandenburgisch Preußischen Hausarchivs von der Vielfalt seiner Aufgaben und Tätigkeitsbereiche bei Hofe. Sie umfassen Personalangelegenheiten und insgesamt das sog. "Hofrangreglement".
Dazu gehören z. B. die Gestaltung höfischer Feierlichkeiten wie etwa die Krönung Wilhelms I. oder die durch ein Tedeum gekrönten Siegesfeiern von 1866 im Lustgarten, Ordensverleihungen aller Art und nicht zuletzt so diffizile Probleme wie das Erscheinen der Hofdamen in Gesellschaften darstellender Künstler. Die Akten zu diesen Vorgängen selbst sind leider - von wenigen Ausnahmen abgesehen - nicht mehr vorhanden oder nicht auffindbar.

Am 9. Dezember 2002 jährt sich der 200. Geburtstag von Rederns, ein Anlass, sich seiner zu erinnern und einen neuen Anfang zu machen, um die kulturpolitische Bedeutung, welche dieser Mann für Berlin und die umgebende Region gehabt hat, herauszustellen und damit auch ein Stück Geschichte aus der Vergessenheit wieder ans Tageslicht zu befördern.

Grundlage für eine aktuelle Sicht auf Leben und Wirken dieses bedeutenden Kulturpolitikers ist die Erschließung seiner "Selbstbiographie", die im Geheimen Staatsarchiv zu Berlin als einziges Dokument des Nachlasses den Krieg überlebt hat.

Es handelt sich um ein handschriftliches Manuskript von 640 Seiten, das ein von Redern beauftragter Schreiber nach originalen Notizen, Briefen und Gesprächs- protokollen aufgeschrieben hat.
 
Prinz Wilhelm und seine Braut Prinzessin Auguste von Weimar bei Goethe (1829).  1)
Wie sieht das Bild aus, das Friedrich Wilhelm von Redern der Nachwelt
von sich und seinen Lebensumständen überliefern wollte?

Redern äußert sich, zusammengefasst ausgedrückt, im Wesentlichen über drei große inhaltliche Bereiche: familiäre Bindungen, kulturelle Interessen und Tätig- keitsbereiche und vor allem seine politische Einstellung, die sich in seinem Verhältnis zur Monarchie, insbesondere zu Friedrich Wilhelm III. und IV. ausdrückt.