GLAMBECK in der SCHORFHEIDE

Konzertbetrachtung
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 Dorfkirche Glambeck, 21. Feb. 2009, 15.00 Uhr
Überraschungen gab es wirklich! - Was Improvisation alles durcheinander wirbelte 

Am Freitag, 20. Februar, gab es in der "MOZ" eine treffende Konzertankündigung mit der Überschrift "Konzert mit Überraschungen". Die Musiker - Studenten der Improvisationsklasse von Armin Thalheim (Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin) - schauen auf dem dazugehörigen Bild auch etwas skeptisch in die Welt. Tatsächlich gab es beim Konzert am nächsten Tag Überraschungen, wie sie bei Improvisationskonzerten oft auftreten: Die Improvisationen brauchten ihre Zeit, und nachdem die drei Pianisten Juliane Sailer, Nora Füzi und Armin Thalheim sich im kühlen Raum gerade richtig warm gespielt hatten, war schon eine halbe Stunde vorbei: Nach einem gemeinsamen Beginn in rhythmisch-pulsierenden Strukturen, einer harmonisch-schwelgerischen Frühlings-Musik (Sailer/Füzi) improvisierte Juliane Sailer mit Klangelementen großer Tragweite nach dem Thema "Passion". Sie führte uns aus dunkler, dramatischer Tiefe bis zu glänzender, entrückter Höhe in einer sanft-wohligen Art, die Zeit und Raum vergessen machte. Die trotz ungemütlicher Witterung zahlreich erschienenen Besucher und Musikliebhaber waren gerade durch die lange auf einer Ebene perlenden Klänge zu schöner Ruhe gekommen, da begann schon der Liedteil mit englischen und deutschen Liedern des gewichtigen Jubilars 2009, Joseph Haydn.

Armin Thalheim sprach mit großem Lob von der Liedgestaltung der Sängerin Agnes Kovacz, die er selbst erst am Vortag erstmals sah und hörte. Zusammen mit Nora Füzi gestaltete die uns bis dahin unbekannte Sängerin Lieder von Haydn aus den Jahren 1784 und 1794 in schönster Vollendung. Wegen der für hohe Stimmen nicht vorteilhaften Raum-Kühle etwas vorsichtig beginnend, gewannen immer mehr Nuancen in ihrer Stimme Raum, überzeugte sie durch plastische Sprache, ungekünstelte Darstellung und saubere Intonation. Die Pianistin musste nach ihrer vorwiegend harmonischen, leicht melancholisch-ungarisch wirkenden Improvisation (Romanze) sofort mit Haydn brillieren, was ihr an dem sonst leicht kräftigen Flügel meisterhaft gelang.

Es war schwer, nach diesem Lied-Erfolg der ungarischen Künstler weiter Musik zu machen. Das merkte auch Armin Thalheim, beriet sich kurz mit seinen Mitspielern, strich die vier noch folgenden Programmteile aus seinem Konzept und kündigte die gemeinsame Schlussimprovisation an. Alle verstanden sofort, gingen an ihre Plätze und legten los. Da kam ein richtiger Swing auf und es "groovte", dass das Stillsitzen schwer fiel. Auch die Sängerin stimmte mit ein und setzte der Musik noch die "Krone" auf. Wann improvisieren schon drei Pianisten an einem Flügel und werden von einer Sängerin unterstützt? In Glambeck ist eben alles möglich! Somit gab es doch noch ein wenig Faschings-Trubel auch im beschaulich-verschneiten Glambeck. Zufriedene und heitere Gäste dankten den Musikern mit langem Applaus.

Heimtraud Eichhorn / Armin Thalheim
Improvisationsklasse Armin Thalheim, Hochschule für Musik "Hanns Eisler" Berlin
von links: Agnes Kovacz, Nora Füzi, Juliane Sailer, Armin Thalheim, Foto: privat